Starkbier aus München

Es ist wieder Starkbierzeit in München, die nach Fasching beginnt und parallel zur Fastenzeit bis Ostern dauert. Einige Münchner Brauereien bieten in ihren großen Bierkellern hierzu eine besondere Starkbierprobe an. 

Starkbier ist gleichzusetzen mit einem Bock, dessen Stammwürzegehalt mindestens 16% beträgt und in verschiedenen Varianten anzutreffen ist. Starkbier aus München gibt es als Bock, Doppelbock, Eisbock, Weizenbock oder Maibock und sowohl hell als auch dunkel. Die Stammwürze ist der Anteil gelöster Stoffe in der Würze vor der Vergärung zum Bier, wie z.B. Zucker, Mineralien oder Vitamine. Bei der Vergärung wandelt die Hefe den in der Würze gelösten Zucker in Alkohol und Kohlensäure um. Je mehr Malzzucker in der Würze enthalten ist, desto höher ist in der Regel auch der Alkoholgehalt des fertig gebrauten Bieres. Daher ist neben dem höheren Stammwürzegehalt auch der Alkoholwert meist deutlich höher als bei einem Vollbier und liegt zwischen 6% und 12%. Einen Bock erkennt man meist schon an seinem Namen, da diese in der Regel auf der Endsilbe -ator enden. Während der Bock oder Doppelbock regelmäßig während der Fastenzeit getrunken wird, gibt es den sog. untergärigen Maibock meist in der Zeit von April bis Juni. Auch der Verkauf der Starkbiere ist bis auf wenige Ausnahmen auf das Frühjahr beschränkt.

Hochburg der Starkbierzeit in Bayern ist München, wo die Münchner Brauereien zwischen Fasching und Ostern das Starkbierfest zelebrieren und das Politiker Derbleckn eine lange Tradition an, allen voran bei Paulaner auf dem Nockherberg. Das Starkbier aus München geht zurück auf die Hansestadt Einbeck in Niedersachsen, wo seit 1240 ein besonderes Bier mit deutlich höherer Stammwürze für den Export gebraut wurde. Dieses Starkbier war vor allem in Süddeutschland und Italien sehr beliebt. Um die Haltbarkeit des Bieres für den langen Transport zu verlängern, wurde es mit einem sehr hohen Stammwürzegehalt gebraut. Im Jahre 1614 wurde der Einbecker Braumeister Elias Pichler an das Bayerische Hofbräuhaus in München abgeworben, um zukünftig direkt vor Ort das beliebte Bockbier zu brauen.

Paulaner Salvator

Paulaner Salvator

Das Starkbier mit dem berühmtesten Namen ist der Salvator von Paulaner. Der Salvator war das erste Starkbier der Paulaner-Mönche, das alljährlich in Gedenken an den Ordensgründer Franz von Paula zum 2. April gebraut wurde. Der Orden der Paulaner Mönche wurde in München während der Gegenreformation zu Zeiten des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. gegründet. Das Kloster Neudegg ob der Au befand sich im Münchner Stadtteil Au und war auch bekannt für seine strengen Fastenregeln, die den Mönchen während der Fastenzeit nur flüssige Nahrung erlaubten. Nachdem Kurfürst Maximilian 1629 dem Paulanerkloster das Braurecht verliehen hatte, brauten diese sich in ihrer klostereigenen Brauerei ein nahrhaftes Bockbier, dessen Stammwürze gegenüber dem einfachen Bock aus dem Hofbräuhaus nochmals deutlich erhöht wurde. Hieraus entwickelte sich später der Salvator und die Salvatorprobe, bei der alljährlich am 2. April die bayerischen Herzöge und Könige zum Anstich des Starkbieres eingeladen wurden. Inzwischen gehört die ehemalige Klosterbrauerei zur Schörghuber Unternehmensgruppe, aber die Tradition der Salvatorprobe blieb bis heute erhalten.

Augustiner Maximator

Augustiner Maximator

Ein weiteres Starkbier aus einer der ehemaligen Klosterbrauereien in München ist der Maximator von Augustiner, deren Geschichte offiziell im Jahre 1328 beginnt, als sich Mönche des Augustinerordens in München ansiedelten und in ihrem Kloster eine Brauerei einrichteten, zunächst nur für den Eigenbedarf. Während der Säkularisation in Bayern in den Jahren 1802/1803 wurde auch das Kloster der Augustiner aufgelöst und die Brauerei privatisiert. Die Brauerei fiel 1829 in die Hände von Anton Wagner, der das Augustiner Bräu ganz im Sinne der Augustiner Mönche fortführte. Heute firmiert Augustiner als Augustiner-Bräu Wagner KG mit einer gemeinnützigen Stiftung namens Edith-Haberland-Wagner-Stiftung als beherrschende Gesellschafterin. Augustiner Bräu ist die älteste Brauerei in München und zugleich die einzige noch echte Privatbrauerei auf dem Oktoberfest. Das Sortiment von Augustiner beschränkt sich auf die klassischen bayerischen Biersorten, saisonal ergänzt durch den Maximator, der während der Starkbierzeit in München im Augustinerkeller ausgeschenkt wird.

Hacker-Pschorr Animator

Hacker-Pschorr Animator

Ein weiteres Starkbier-Highlight aus München ist der Animator aus dem Hause Hacker-Pschorr. Der Animator ist ein naturtrüber Doppelbock mit 19,3% Stammwürze und 8,1% Alkohol. Auch Hacker-Pschorr ist eine Münchner Brauerei mit langer Tradition und Geschichte, die laut Angaben der Brauerei im Jahre 1417 in der Sendlinger Straße in München beginnt. Noch zu Lebzeiten des Braumeisters Joseph Pschorr und seiner Ehefrau Therese Hacker fielen die beiden Brauereien Zum Pschorr und Hackerbräu an deren Söhne Georg (Brauerei zum Pschorr) und Matthias (Hacker-Brauerei), wodurch die ehemaligen Hacker-Pschorr Brauereien für lange Zeit getrennt wurden. Einst war Hacker-Pschorr die führende Brauerei in München, heute nur noch eine Marke unter vielen unter dem Dach der Paulaner Gruppe, die wirtschaftlich der Münchner Schörghuber Unternehmensgruppe gehört. Das Sortiment der Hacker-Pschorr Brauerei ist mit 13 Biersorten vielseitig, wobei der Animator nur saisonal begrenzt gebraut wird.

Löwenbräu Triumphator

Löwenbräu Triumphator

In unserer Auswahl der Starkbiere aus München darf natürlich der Triumphator von Löwenbräu nicht fehlen, ebenfalls ein Dunkler Doppelbock mit 18,2% Stammwürze und 7,6% Alkohol. Das Löwenbräu Starkbierfest im Löwenbräukeller ist zwar bei den Münchnern sehr beliebt, aber der Triumphator ist nicht gerade ein Triumph unter den Starkbieren aus München. In einschlägigen Testberichtigen über den Triumphator ist immer wieder zu lesen, dass man davon “einen Kopf bekommt”. Das Etikett lässt zwar auf triumphalen Geschmack hoffen, aber der Abgang ist dann doch eher enttäuschend, aber die Verkostung der Starkbiere aus München bleibt einem gesonderten Beitrag vorbehalten. Glanz und Gloria findet man auch bei den anderen Biersorten von Löwenbräu leider nicht mehr, allenfalls noch beim Löwenbräu Original oder beim Münchner Hell. Seit dem Verkauf der Spaten-Franziskaner-Löwenbräu Gruppe 2003 an AB Inbev musste der Standort in München immer wieder Einschnitte hinnehmen.

Giesinger Bräu

Giesinger Bräu

Ein Münchner Highlight ist jedoch das Starkbier “Giesinger Sternhagel” der noch sehr jungen Brauerei Giesinger Bräu München. Der Giesinger “Weizen-Triple-Bock” wird mit einer belgischen Trappistenhefe gebraut und erreicht so einen sehr hohen Alkoholgehalt, der die oben genannten Starkbiere der Münchner Brauereien bei weitem übersteigt. Und nichtsdestotrotz entfaltet das Giesinger Sternhagel ein erstaunlich fruchtiges Aroma, wodurch das Starkbier extrem süffig wird. Der Preis einer 0,7 Liter Flasche ist jedoch ebenso abenteuerlich wie das Getränk selbst. Bislang kennen nur eingefleischte Münchner Bierkenner die noch sehr junge Münchner Brauerei aus Giesing, das neben dem Giesinger Sternhagel noch weitere echte Spezialitäten im Sortiment hat. Wer weiß, vielleicht wächst hier die nächste Brauerei auf dem Oktoberfest heran.

Spaten Optimator

Spaten Optimator

Neben Löwenbräu hat auch Spaten-Bräu – die zweite große Münchner Marke unter dem Dach von AB InBev – ein Starkbier im Sortiment, das jedoch nur für den Export bestimmt ist. Schade eigentlich, denn den Optimator von Spaten-Bräu hatte ich noch nicht im Glas. Spaten-Bräu ist wie Löwenbräu eine der großen und traditionsreichen Münchner Brauereien, die 2003 zusammen an AB Inbev verkauft wurden und dort leider ein Schattendasein in einem internationalen Konzern führen. Auch Spaten-Bräu hat ein vielseitiges Sortiment, das jedoch ebenso wie Löwenbräu kein außergewöhnliches Bier von großem Format beinhaltet.

Die Brauereien in München haben zwar alle ein eigenes Starkbier im Sortiment, die wir nun im Einzelnen vorgestellt haben. Der Anteil der Starkbiere am Gesamtausstoß der Münchner Brauereien ist jedoch eher gering und kann mit rund 1% beziffert werden. Während die Produktion von Starkbier in den Brauereien von München saisonal begrenzt ist, braut die Andechser Klosterbrauerei – als einzige Brauerei in Deutschland – ganzjährig zwei Starkbiere und ist damit recht erfolgreich.

 
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3 Kommentare auf "Starkbier aus München"

  1. [...] Edelstoff – ein helles Exportbier – und ergänzend das Augustiner Weißbier. Während der Starkbierzeit in München wird auch der Augustiner Maximator ausgeschenkt, ein heller [...]

  2. al bert sagt:

    Wo kann man als Verbraucher in PLZ 81375 Löwenbräu Triumphator kaufen (einzeln oder in Trägern mit 20 Flaschen)? Al

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