Die besten Starkbiere aus Bayern

Starkbiere sind die hohe Kunst des Brauwesens und besonders im Winter und Frühjahr während der Fastenzeit sehr beliebt.

Paulaner München

Paulaner München

Als Begründer der Starkbierzeit in München und in Bayern mit den malzigen, eher süßen Starkbieren Bock, Doppelbock, Eisbock und Weizenbock kann man die einstigen Mönche des Münchner Paulaner Ordens ansehen, die im Jahre 1630 den Salvator Doppelbock kreiierten, um die Fastenzeit zu überbrücken, die am Aschermittwoch beginnt und bis Ostern dauert. Erfinder des starken Bocks war jedoch der Braumeister Elias Pichler von Einbeck, der 1614 aus Einbeck an den herzoglichen Hof der Wittelsbacher in München abgeworben wurde. Bis dahin wurde das obergärige Bockbier mit einer ungewöhnlich hohen Stammwürze aus der ehemaligen Hansestadt Einbeck in Niedersachsen importiert, was im herzoglichen Hof in München große Kosten verursachte.

Zu Zeiten des Wittelsbacher Kurfürsten Maximilian I. gründeten dann 1627 Mönche des Paulaner-Ordens in München das Kloster Neudegg ob der Au, das den Ordensbrüdern während der Fastenzeit strenge Fastenregeln auferlegte und nahezu nur flüssige Nahrungsmittel erlaubte. Das offizielle Braurecht im Jahre 1629 von Kurfürst Maximilian I. war dann der Startschuss für ein eigenes Bockbier, dessen Stammwürze gegenüber dem Ainpöckisch Bier von Elias Pichler nochmals deutlich erhöht wurde. Zu Ehren des Ordengründers Franz von Paola nannte man den damaligen Doppelbock Salvator.

Starkbiere und erhöhter Stammwürzegehalt

Ein Starkbier bzw. Bock muss mindestens einen Stammwürzegehalt von 16 % haben, egal ob hell und dunkel. Der Alkoholgehalt ist – entgegen der Meinung vieler – nicht festgelegt und liegt irgendwo zwischen 5 % und 12 %. Die Steigerung zum normalen Bock ist der Doppelbock, der mit einem Stammwürzegehalt von über 18 % eingebraut wird, und darüber gibt es noch den Eisbock, bei dem der Alkoholgehalt nochmals künstlich erhöht wird, indem gefrorenes Wasser aus dem Bier entnommen wird. Starkbiere in Bayern gibt es vor allem während der kalten Jahreszeit im Winter und während der Fastenmonate von Februar bis in den Mai hinein. Einen Bock, Doppelbock oder Eisbock trinkt man am besten aus dem Glas bei maximal 7° C bis 8° C.

Andechser Doppelbock Dunkel und Andechser Bergbock Hell

Andechser Bock

Andechser Doppelbock Andechser Bergbock

Das Benediktinerkloster in Andechs auf dem Heiligen Berg südlich von München ist das Ziel Hundertausender Pilger jedes Jahr und mindestens ebenso viele Besucher und Touristen strömen den Berg hinauf ins Bräustüberl oder in den Biergarten auf der Terrasse, um ein echtes Andechser Weißbier oder einen der beiden Bockbiere zu kosten. Die Klosterbrauerei Andechs gehört zu den wenigen noch aktiven Klosterbrauereien in Bayern, deren Biere nahezu weltweit exportiert werden. Und es ist nicht so leicht, aus den beiden Andechser Starkbieren Doppelbock Dunkel und Bergbock Hell einen Favoriten zu küren, aber vor die Wahl gestellt würden die meisten wohl den Andechser Doppelbock Dunkel mit seinen 7,1% Alkohol und 18,5% Stammwürze bevorzugen. Die Farbe des Andechser Doppelbock geht ins rot-braune, der Schaum bleibt lange standhaft, der Geschmack hat etwas Fruchtiges in sich und das Aroma erinnert an Honig und Schokolade. Der Andechser Bergbock ist mit seinen 6,9% Alkohol nur leicht weniger alkoholisiert, aber geschmacklich nicht ganz so überzeugend wie der Doppelbock Dunkel. Auch die Schaumkrone ist nur von kurzer Dauer, was den Trinkgenuß beim Bergbock Hell doch etwas trübt.

Kloster Andechs

Kloster Andechs auf dem Heiligen Berg

Die Klosterbrauerei Andechs braut schon seit dem Mittelalter – urkundlich nachgewiesen seit 1455 – Bier und ist eine der ganz wenigen Brauereien weltweit, die neben den anderen klassischen Biersorten ganzjährig zwei Starkbiere im Sortiment haben.

Augustiner Maximator

Maximator

Maximator

Ein besonderes Highlight während der Starkbierzeit in München ist der Augustiner Maximator, der dem Namen Augustiner alle Ehre Macht. Die Geschichte des Augustiner Bräu beginnt offiziell im Jahre 1328, als sich Mönche des Augustinerordens in München ansiedelten und in ihrem Kloster eine Brauerei einrichteten, zunächst nur für den Eigenbedarf. Während der Säkularisation in Bayern in den Jahren 1802/1803 wurde auch das Kloster der Augustiner aufgelöst und die Brauerei privatisiert. Im Jahre 1829 fiel das Augustiner Bräu in die Hände von Anton Wagner, der die Brauerei ganz im Sinne der Augustiner Mönche fortführt. Heute firmiert Augustiner als Augustiner-Bräu Wagner KG mit einer gemeinnützigen Stiftung namens Edith-Haberland-Wagner-Stiftung als Mehrheitsgesellschafterin. Augustiner ist die älteste Münchner Brauerei und zugleich die einzige noch echte Münchner Privatbrauerei auf dem Oktoberfest. Das Sortiment der Augustiner Brauerei beschränkt sich auf die klassischen bayerischen Biersorten, wobei die hellen Biere – Edelstoff und Lager Hell – zu den beliebtesten Bieren in München zählen.

Ayinger Celebrator Doppelbock

Ayinger Celebrator

Ayinger Celebrator

Das beste Starkbier weltweit ist der Ayinger Celebrator Doppelbock aus der Privatbrauerei Aying, die sich ca. 25 Kilometer südöstlich von München befindet. Die Ayinger Brauerei wurde 1878 von Johann Liebhard gegründet und wird inzwischen in der 5. Generation als mittelständische und regionale Brauerei geführt. Das Sortiment der Ayinger Brauerei umfasst 12 Biersorten, von denen etliche bereits mehrfach nationale und internationale Preise errungen haben. Neben dem vielfach prämierten Ayinger Jahrhundertbier ist vor allem der Ayinger Celebrator Doppelbock bekannt und begehrt und rangiert bei ratebeer.com seit Jahren an erster Stelle der besten Biere aus Deutschland. Das Chicago Beverage Tasting Institute bewertete den Ayinger Celebrator Doppelbock sogar als bestes jemals getestetes Bier. Daneben werden in der Ayinger Brauerei noch ein Weizenbock und ein Winterbock gebraut, die jedoch dem Ayinger Celebrator Doppelbock nicht das Wasser reichen können. Eine sehr gute Gelegenheit für ein original Ayinger Bier ist übrigens das Ayingers am Platzl, direkt gegenüber vom berühmten Hofbräuhaus in München.

Flötzinger Josefi-Bock

Flötzinger Josefi-Bock

Schade, daß es den Flötzinger Josefi-Bock nur wenige Wochen im Jahr gibt, aber er wird eben nur saisonal anlässlich des Josefstags gebraut. Der Josefitag – wie er in Bayern auch genannt wird – ist ein Hochfest der katholischen Kirche zu Ehren von Josef, der in katholisch dominierten Ländern auch gesetzlicher Feiertag ist, z.B. in katholisch bevölkerten Kantonen der Schweiz und im gesamten Fürstentum Liechtenstein, sowie in Costa Rica, Kolumbien und Spanien. Auch in Italien gab es immer wieder Stimmen, den Josefstag als gesetzlichen Feiertag einzuführen. In Bayern wurde der Josefitag 1969 als Feiertag abgeschafft, wird aber noch gerne gefeiert, weil es zu diesem Anlass den äußerst leckeren Josefibock von Flötzinger Bräu aus Rosenheim gibt, der von der internationalen Fachjury des World Beer Awards 2012 als bester Doppelbock Europas ausgezeichnet. Dank der speziellen Mischung aus verschiedenen dunklen Malzen erhält der Flötzinger Josefi-Bock seine warme dunkle Farbe. Mit einer Stammwürze von über 18% reift das Bier gut 3 Monate lang in den Kellern der Rosenheimer Brauerei, die übrigens stark engagiert ist beim Rosenheimer Herbstfest, das zu den größten Volksfesten in Bayern zählt.

Kaltenberger Ritterbock

Kaltenberger Ritterbock

Kaltenberger Ritterbock

Der Kaltenberger Ritterbock ist ein Produkt aus dem Hause der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg mit Hauptsitz im oberbayerischen Fürstenfeldbruck in der Nähe von München. Das Schloss Kaltenberg im gleichnamigen Dorf Kaltenberg wurde im Jahre 1292 erbaut ist heute zweite Braustätte der König Ludwig Schloßbrauerei, deren Geschäftsführer Luitpold Prinz von Bayern der Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III. ist. Vielen ist das Schloss Kaltenberg auch bekannt als Austragungsort des Kaltenberger Ritterturniers, das einmal jährlich als großes Ritterturnier mit historischen Kostümen veranstaltet wird. Ganz in diesem Sinne gibt es aus der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg den Ritterbock, der beim World Beer Award 2009 zum zweiten Mal als weltbester Doppelbock ausgezeichnet wurde. Der Kaltenberger Ritterbock ist eine saisonale Spezialität mit 9% Alkohl und einem Stammwürzegehalt von über 20%, die jeweils von Oktober bis zum Ende der traditionellen Starkbierzeit zu kaufen ist.

Kulmbacher Eisbock

Kulmbacher Eisbock

Kulmbacher Eisbock

Wer an bayerisches Bier denkt, dem schießt sich auch der Name Kulmbach durch den Kopf. Kulmbach ist die heimliche Bierhauptstadt in Bayern, wo Brauereien, Mälzereien und eine lebendige Gastronomie schon seit Jahrhunderten das Stadtbild beherrschen. Aus mehreren Brauereien aus der Region ist hier die Kulmbacher Brauerei AG in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft entstanden, aus der die Marken Kulmbacher, EKU, Mönchshof sowie die Weißbiermarke Kapuziner stammen. Das Sortiment der Kulmbacher Brauerei AG ist angesichts der genannten Marken recht groß, aber unter den Starkbieren ist der Kulmbacher Eisbock ein Renner. Im Vergleich zum Aventinus Eisbock ist der Kulmbacher Eisbock mit seinen 9,2% Alkoholgehalt eher brav, aber die Stammwürze von 21% hat es in sich. In Bayern auch bekannt als Bayrisch Gfrorns ist der Kulmbacher Eisbock ein typisch bayerische Winterspezialität.

Schneider Aventinus

Schneider Aventinus

Schneider Aventinus

Der Schneider Aventinus Weizenbock aus der bayerischen Brauerei Schneider in Kelheim ist der härteste Konkurrent des Ayinger Celebrators und in seiner Kategorie Weizenbock sicher unangefochtene Nuemmer 1. An nationalen und internationalen Preisen mangelt es auch der Kelheimer Brauerei Schneider nicht, insbesondere für den Aventinus Weizendoppelbock. Die Kelheimer Weißbier-Brauerei hat ihren Ursprung übrigens  im Münchner Hofbräuhaus, wo Georg Schneider – Gründer der Brauerei Schneider – davor Braumeister war. Der unglaublich süffige Geschmack des Schneider Aventinus lässt einen – trotz der 8,2% vol. Alkohol und der 18,5% Stammwürze – schnell vergessen, dass man ein Starkbier in der Hand hat. Das Aroma des Schneider Aventinus erinnert an feine Hefe und etwas Honig und der Schaum hat etwas von Sahne auf dem Kuchen. Neben dem Aventinus braut Schneider seit 2002 auch noch einen Aventinus Eisbock mit einem Alkoholgehalt von 12 % und einer Stammwürze von unglaublichen 25,5 %, der in kürzester Zeit zu den beliebtesten und besten Bieren aus Bayern avancierte.

Weihenstephaner Vitus Weizenbock

Weihenstephaner Vitus

Weihenstephaner Vitus

Der Weihenstephaner Vitus Weizenbock aus dem Hause der Staatlichen Brauerei Weihenstephan ist – wie der Name schon sagt – ein Weizenbock, dem man auf den ersten Blick nicht ansieht, daß er in diese Liste der bayerischen Starkbiere gehört. Beim World Beer Cup 2012 wurde der Weihenstephaner Vitus Weizenbock nicht nur in seiner Kategorie mit Gold, sondern darüber hinaus mit dem Titel “Bestes Bier der Welt 2011″ ausgezeichnet. Nach der Beschreibung der Brauerei handelt es sich um einen hellen würzigen Weizenbock, der nicht nur Liebhaber bayerischer Starkbiere begeistert. Die extra lange, kalte Lagerung sorgt für den unverwechselbar vollmundigen und kräftigen Geschmack. Während das Aussehen des Vitus Weizenbock einem normalen Weißbier mit kräftiger Schaumkrone ähnelt, ist der Geschmack deutlich fruchtiger und würziger mit kräftiger Hefe, der sich auch beim Abgang noch lange hält.

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11 Kommentare auf "Die besten Starkbiere aus Bayern"

  1. Starkbierfeste in München 2011 | Typisch München sagt:

    [...] die in Vorbereitung auf die strenge Fastenzeit bis Ostern ein besonders nahrhaftes und süffiges Starkbier brauten und dieses zu Ehren ihres Gründers Salvator nannten. Während früher der Kurfürst [...]

  2. [...] der Mönche in Bayern zurückgeht. Dann wird es wieder Zeit, das eine oder ander Starkbier aus Bayern`s Brauereien zu genießen. Besonders beliebt ist die Starkbierzeit in München, wo die großen [...]

  3. [...] der Welt, insbesondere das Weltenburger Kloster Barock Dunkel und der süffige Asambock, der zu den besten bayerischen Starkbieren zählt. // Deckenfresko der Klosterkirche [...]

  4. [...] Andechser Berg, sondern auch Touristen aus aller Welt, die im Klosterstüberl oder im Biergarten Starkbier oder Weißbier aus der Andechser Klosterbrauerei verkosten wollen. Am besten lässt sich die [...]

  5. [...] Bayerische Starkbiere – Starkbiere, die in bayerischen Brauereien unter Einhaltung des Reinheitsgebots gebraut werden und zur Starkbierzeit bzw. Fastenzeit in Bayern ausgeschenkt werden; [...]

  6. Das Hofbräuhaus am Platzl | Typisch München sagt:

    [...] in der Hallertau werden. Später folgte Braumeister Elias Pichler aus Einbeck, der 1614 das erste Münchner Starkbier im Herzoglich Braunen Hofbräuhaus zu München braute, das im Jahre 1632 die Stadt München vor der [...]

  7. [...] Hell dem Andechser Doppelbock Dunkel vorziehe. Beide Bockbiere gehören jedoch definitiv zu den besten Starkbieren aus Bayern. Man sieht es der Brauerei von außen nicht ohne weiteres an, aber die Klosterbraurei wurde 1972 [...]

  8. [...] weltweit, die das ganze Jahr über zwei Starkbiere braut, die davon abgesehen auch noch zu den besten Starkbieren aus Bayern zählen. Etwas vornehmer geht es im Klostergasthof zu, der sich etwa auf halber Strecke zwischen [...]

  9. Kaltenstadler Wilhelm sagt:

    Prof. Dr. W. Kaltenstadler 19.02.2013
    Tel. 08442 95 59 764
    S. g. Damen und Herren,
    Starkes Bier wurde in Bayern schon sehr früh, wohl schon flächendeckend im späten Mittelalter, getrunken. Nun erhebt sich aber für mich die Frage, seit wann es den Ausdruck “Starkbier” in Bayern (oder Franken etc.) eigentlich schon gibt. Ich vermute, dass die Ausdrücke “Starkbier” (nicht zu verwechseln mit starkem Bier), Starkbierzeit, Starkbierprobe etc. neueren Datums sind und frühestens im ausgehenden 19. Jahrhundert aufgekommen sind. Falls diese Ausdrücke in München schon früher vorkommen sollten, dann kämen dafür die Brauereien wie Augustiner etc. mit klösterlicher Tradition in besonderem Maße in Frage. Nach Rücksprache mit dem Direktor des Deutschen Hopfenmuseums vermute ich, dass die oben genannten Ausdrücke wohl am frühesten in Gesetzestexten, die mit Bier zu tun haben, vorkommen. Gibt es evtl. Material in Ihrem Archiv? Am wichtigsten ist jedoch für uns Freunde des bayerischen Bieres, was J.A. Schmeller in seinem BWB festgehalten hat: “In Gegenden, wo man Bier trinkt, gibt es weder Paralysekrankheiten noch Lepra.” (Original in Latein).
    Beste Grüße
    Wilhelm Kaltenstadler

  10. […] in der Hallertau werden. Später folgte Braumeister Elias Pichler aus Einbeck, der 1614 das erste Münchner Starkbier im Herzoglich Braunen Hofbräuhaus zu München braute, das im Jahre 1632 die Stadt München vor der […]

  11. […] die in Vorbereitung auf die strenge Fastenzeit bis Ostern ein besonders nahrhaftes und süffiges Starkbier brauten und dieses zu Ehren ihres Gründers Salvator nannten. Während früher der Kurfürst […]

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