Pilsener, Pilsner, Pils

Das berühmteste und bekannteste Bier in Deutschland ist mit großem Abstand das Pilsener oder kurz gesagt das Pils benannt nach der böhmischen Stadt Pilsen in der tschechischen Provinz Böhmen, wo seit 1842 Bier nach Pilsener Brauart hergestellt wird. 

Pilsener Urquell

Pilsener Urquell

Das Pilsener aus der tschechischen Stadt Pilsen war das erste helle, klare Bier überhaupt, das jemals gebraut wurde. Die meisten Pilstrinker wissen jedoch nicht, dass es von einem bayrischen Braumeister namens Josef Groll erfunden wurde. Die Geschichte vom Pilsener beginnt im Jahre 1838, als Pilsener Bürger das damalige, übel schmeckende Oberhefenbier zum Protest fässerweise auf dem Marktplatz ausschütteten und gleichzeitig beschlossen, eine neue Brauerei zu errichten. Der Braumeister dieses Bürgerlichen Brauhauses in Pilsen ließ den bayerischen Braumeister Josef Groll nach Pilsen holen, um dort ein besonderes Bier nach bayerischer Brauart zu entwickeln. Josef Groll`s Vater hatte bis dahin im niederbayerischen Vilshofen schone lange an der Rezeptur eines untergärigen Bieres experimentiert. Der erste Sud wurde am 5. Oktober 1842 gebraut, jedoch mit dem vor Ort typisch weichen Pilsener Wasser und Saazer Hopfen. Geboren war das Pilsener Urquell, das erstmals in den Pilsener Gasthhäusern ausgeschenkt wurde. Heute gehört die Marke Pilsener Urquell zum internationalen Brauereikonzern SABMiller, der die Marke international ausbauen will.

Josef Groll Pils

Josef Groll Pils

Josef Groll ging als Erfinder des Pilsener Bier in die Geschichte ein, sein Arbeitsvertrag mit dem Bürgerlichen Brauhaus in Pilsen wurde jedoch nicht verlängert und endete schon am 30. April 1845. Josef Groll selbst übernahm die Brauerei seines Vaters und blieb bis zu seinem Tod im Wolferstetter Keller am 22. Oktober 1887 dem Bier verbunden. Die Grollsche Brauerei ging teilweise in der Brauerei Wolferstetter auf, in deren Sortiment sich auch ein Josef Groll Pils befindet. Mit Erfindung der Kältemaschinen im späten 19. Jahrhundert durch Carl von Linde trat das Bier Pilsener Brauart seinen Siegeszug durch Europa an. Und Emigranten aus Österreich, Bayern und Böhmen sorgten schon bald dafür, dass Pils auch in den USA zunehmend Verbreitung fand. Einstmals nur Herkunftsbezeichnung für das Bier aus der böhmischen Stadt Pilsen, wurde aus dem Pilsener die beliebteste und meist verkaufte Biersorte in Deutschland und in vielen anderen Ländern. Im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung in München zwischen dem Bürgerlichen Brauhaus in Pilsen und der Brauerei der Gebrüder Thomas entschieden die Gutachter, dass Pilsener keine Herkunfts- sondern eine neue Typusbezeichnung sei und daher auch von anderen Brauereien außerhalb von Pilsen verwendet werden kann.

Das moderne Pilsener hat eine sehr helle und klare Erscheinung, in der Farbe von hell-bis goldgelb, und ein deutliches Hopfenaroma. Während die tschechischen Pilsener etwas milder sind, tendiert das deutsche Pils zu einer stärkeren Bitternote, vor allem die Pilssorten im Norden von Deutschland, beispielsweise das Jever Pils. Im Süden ist das Pils dagegen etwas malziger. Der Stammwürzegehalt eines Pils liegt zwischen 11% und 16%, wobei das helle bayerische Pils eine ausgeprägte feinherbe Hopfenbittere besitzt. Der Alkoholgehalt eines Pils liegt in der Regel bei rund 5% und der Kaloriengehalt bei ca. 40 kcal/100ml.

Für ein gutes Pils braucht man zunächst ein besonders weiches Wasser und sehr helles Gerstenmalz, aber entscheidend ist der Hopfen, der in großen Mengen aus der Hallertau stammt. Der Hopfen verleiht dem Pils seine typische Bittere, aber auch das unverkennbare Aroma und den Geschmack. In Bayern ist man besonders stolz auf die Aromahopfen-Sorten, die meist nach ihrem Herkunftsgebiet benannt werden, wie beispielsweise Hallertauer Aromahopfen. Für einen Hektoliter Pilsener Bier werden bis zu 300 g Hopfen hinzugegeben. Um das Zapfen eines guten Pils hat sich seit Jahrzehnten ein regelrechter Professorenstreit entwickelt. Während die einen ein gutes Pils in “7 Minuten” zapfen, schwören die anderen eher auf “3 Minuten”. Die beste Temperatur eines Pils liegt jedenfalls zwischen 6° und 9°, also schön kühl. Und das Pils liebt das schlanke und hohe Glas, das an die Form einer Tulpe erinnert.

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2 Kommentare auf "Pilsener, Pilsner, Pils"

  1. [...] und Filmfestivals in Pilsen sorgen dafür, daß es immer reichlich Gelegenheiten gibt, um das eine oder andere Pils aus der Heimat zu trinken. Darüber hinaus gibt es in Pilsen natürlich auch eine ganze Reihe [...]

  2. Rudolf Drasch sagt:

    Josef Groll übernahm nach seiner Rückkehr aus Pilsen definitiv nicht die Brauerei seines Vaters, sondern sein Bruder Johann. Zudem verstarb der “Pilserfinder” nicht am 22. Oktober, sondern am 22. November 1887.
    Zu seiner Zeit gab es noch nicht die Gaststätte Wolferstetter Keller, weil die Familie Wolferstetter erst 1906 nach Vilshofen gezogen war. Es existierte lediglich ein sog. “Sommerhaus” über dem Eiskeller, das aber nicht als Gastwirtschaft genutzt wurde.
    Das ungenießbare Bier wurde nicht von Pilsener Bürger öffentlich ausgeschüttet, sondern der Magistrat der Stadt verlangte dies.

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